Rückblick: Junge DGVN Nord Summer Academy 2026 – „UN and the sea: Ocean Governance and Maritime Affairs “

Ein Beitrag von Michael Singwald

Das Meer kennt keine Staatsgrenzen. Schifffahrtswege verbinden Kontinente, maritime Konflikte wirken über nationale Hoheitsgebiete hinaus und auch die Folgen von Umweltverschmutzung oder des Klimawandels machen nicht an Grenzen halt. Gleichzeitig ist das Meer ein Raum, in dem Staaten wirtschaftliche, sicherheitspolitische und ökologische Interessen verfolgen. Wer entscheidet also darüber, was auf und unter dem Meer geschieht? Und wie lassen sich diese unterschiedlichen Interessen miteinander vereinbaren?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Summer Academy „UN and the Sea: Ocean Governance and Maritime Affairs“ der Jungen DGVN Nord vom 3. bis zum 8. August 2026 in Hamburg. Eine Woche lang erhielten die Teilnehmenden Einblicke in die Arbeit der Vereinten Nationen und die internationale Meerespolitik. Dabei ging es nicht nur um die rechtlichen Grundlagen der Ocean Governance, sondern ebenso um maritime Sicherheit, den Schutz der Meeresumwelt, neue Technologien wie Marine Geoengineering und die Biodiversität jenseits nationaler Hoheitsgewalt. Ergänzt wurde das Programm durch Einblicke in die Arbeit des Internationalen Seegerichtshofs (ITLOS) und eine eigene Verfahrenssimulation.

Ziel der Academy war es dabei, internationale Meerespolitik nicht nur aus der Distanz zu betrachten, sondern ihre unterschiedlichen Dimensionen miteinander zu verbinden. Wissenschaftliche Vorträge, Diskussionen, der Besuch des ITLOS und die praktische Simulation eines Verfahrens führten die Teilnehmenden Schritt für Schritt von den Grundlagen der Ocean Governance hin zu der Frage, wie sich internationale Regeln in der Praxis anwenden und durchsetzen lassen.

Um diese Fragen beantworten zu können, mussten wir zunächst verstehen, wie Ocean Governance in der UN überhaupt funktioniert. Deshalb gaben Akrita Kaur und Dr. Aleke Stöfen-O’Brian des World Maritime University Sasakawa Global Ocean Institute uns einen Einblick in die internationale Arbeit rund um die Meere und zeigten dabei auf, wie vielfältig die Regelungsbereiche, aber auch die Akteure sind, die auf maritime Fragen einwirken.

Aber das Meer ist ebenso ein zentraler sicherheitspolitischer Raum, wie Dr. Heiko Herold, Non-Resident Fellow am Institut für Sicherheitspolitik der Universität Kiel eindrucksvoll aufzeigte. Am hoch-aktuellen Beispiel der Straße von Hormus wurde deutlich, wie eng maritime Räume mit geopolitischen Konflikten und internationalen Sicherheitsfragen verbunden sind.

Wie schwierig Ocean Governance wird, wenn sich nicht nur die politischen, sondern auch die technischen Rahmenbedingungen verändern, zeigte der Vortrag von Dr. Tony Cabus vom Walther-Schücking-Institut für Internationales Recht. Grade hier zeigte sich, dass internationales Recht nicht nur auf bereits bestehende Konflikte reagieren muss. Es muss teilweise Regeln für Technologien und Eingriffe entwickeln, deren langfristige Folgen noch gar nicht abschließend absehbar sind.

Doch was passiert, wenn es zu Konflikten und Streitigkeiten auf internationaler Ebene kommt? Zu diesem Thema bot uns Prof. Dr. Alexander Proelß von der Universität Hamburg eine umfassende Einführung zur Arbeit und Entstehung des ITLOS, dem UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS) und der friedlichen Streitbeilegung. Wenig später griff Prof. Dr. Ronán Long, Direktor des Sasakawa Global Ocean Institute der World Maritime University, eben dieses Vorwissen auf und gab einen vertiefenden Einblick in die Verfahren vor dem ITLOS und seine Rolle im internationalen Seerecht.

Das erworbene Wissen blieb jedoch nicht theoretisch: Wenig später konnten wir den Ort, über den wir zuvor gesprochen hatten, selbst kennenlernen. Bei unserem Besuch am ITLOS konnten wir aus erster Hand sehen, wo und wie das ITLOS arbeitet und haben einen spannenden Einblick hinter die Mauern des internationalen Tribunals bekommen.

Den Höhepunkt der Summer Academy bildete schließlich die eigene Verfahrenssimulation vor dem ITLOS. Aufgeteilt in Klägerseite, Beklagtenseite und RichterInnenbank hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit das zuvor erarbeitete Wissen selbst anzuwenden: Sie erhoben Klage, entwickelten Argumentationen, hielten Plädoyers, debattierten die aufgeworfenen Rechtsfragen und fällten schließlich ein eigenes Urteil. Damit schloss sich auch der Kreis der Woche: Ausgehend von der Frage, wie internationale Regeln für den gemeinsamen Lebens- und Wirtschaftsraum Meer entstehen und funktionieren, hatten wir nun selbst die Möglichkeit, diese Regeln anzuwenden.

Die Summer Academy hat gezeigt, wie vielfältig die Fragen rund um das Meer sind und wie eng Völkerrecht, internationale Politik, Sicherheit, Umweltschutz und technologische Entwicklungen miteinander verbunden sind. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Ocean Governance nicht nur eine Frage internationaler Institutionen ist. Die lebt von Menschen, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen, diskutieren und gemeinsam nach Lösungen suchen. 

Wir danken allen ReferentInnen für die spannenden Vorträge und den Einblick in ihre wissenschaftliche und praktische Arbeit. Ein besonderer Dank gilt außerdem allen Teilnehmenden der Summer Academy, die durch ihre persönlichen Perspektiven und Hintergründen und ihre diversen Wortbeiträge zum Gelingen der Academy beigetragen haben. Schließlich bedanken wir uns bei allen, die an der Organisation und Durchführung der Summer Academy ehrenamtlich beteiligt waren.