
Anfang Mai war es soweit: Ich hatte meine erste „UN im Klassenzimmer“ Simulation – und das direkt morgens um 8 Uhr an der Stadtteilschule Meiendorf in Hamburg. Gemeinsam mit Leonardo Pereira, der schon öfter Simulationen durchgeführt hat, habe ich eine Oberstufenklasse durch das Simulationsmodul „Krieg gegen die Ukraine“ begleitet. Die Sitzung dauerte ungefähr 90 Minuten – inklusive Einführung und einer gemeinsamen Abschlussrunde.
„UN im Klassenzimmer“ ist ein Projekt der Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN), bei dem Schüler:innen internationale Politik nicht nur theoretisch
kennenlernen, sondern selbst in die Rollen von Delegierten schlüpfen. Dadurch bekommen sie einen viel praktischeren Eindruck davon, wie die Vereinten Nationen arbeiten, wie
Verhandlungen ablaufen und wie schwierig internationale Zusammenarbeit manchmal sein kann.
Die Vorbereitung war insgesamt ziemlich unkompliziert. Alle wichtigen Materialien – darunter das Vorsitzhandbuch, Präsentationen, Delegiertenhandbücher und Länderpositionen – standen online zur Verfügung. Mitbringen mussten wir nur unsere Laptops, die Länderschilder und gute Laune.
Ich war froh, dass ich bei meiner ersten Simulation jemanden dabei hatte, der schon ganz routiniert und entspannt war, das hat mir gerade am Anfang viel von meiner Aufregung genommen. Spätestens im Klassenraum und im Gespräch mit den Schüler:innen verschwand die Nervosität dann aber super schnell und wurdedurch Vorfreude auf die kommenden 90 Minuten ersetzt.
Gerade wenn man das Modul zum ersten Mal durchführt, kann ich auf jeden Fall empfehlen, es gemeinsam mit jemandem zu machen, der bereits Erfahrung damit hat. So bekommt man einen guten Überblick, kann sich einiges abschauen und findet gleichzeitig mit der Zeit seinen eigenen Stil.
Zu Beginn erklärten wir erst einmal den Ablauf der Simulation und fragten, ob alle bereit seien. Viele Schüler:innen hatten sich extra schick gemacht – manche kamen sogar im Anzug oder mit Bluse und Anzughose –, um der Sitzung einen möglichst authentischen Charakter einer echten Sitzung des UN-Sicherheitsrats zu verleihen. Das hat unglaublich viel zur Atmosphäre beigetragen.
Danach ging es auch schon los: Die Schüler:innen vertraten unter anderem die USA, China, Russland, die Ukraine, Südafrika und Dänemark. Jede Delegation erhielt vorab
Informationen zur Position ihres Landes und sollte anschließend eine Eröffnungsrede vorbereiten. Dabei war es wichtig, die Interessen des eigenen Landes zu vertreten. Anschließend brachten die Delegationen ihre Anliegen vor, erklärten ihre Haltung zur Situation, gingen auf Beziehungen zu anderen Staaten ein, nannten positive Beispiele aus dem eigenen Land oder übten Kritik an anderen Positionen und suchten gleichzeitig nach
gemeinsamen Lösungen.
Besonders spannend war zu beobachten, wie schnell die Schüler:innen in ihre Rollen hineingefunden haben. Anfangs merkte man einigen noch Nervosität an. Doch auch durch die Unterstützung der Lehrkräfte, die ihnen zwischendurch immer wieder gut zugesprochen haben, fanden sich die Schüler:innen schnell in ihre Rollen ein und die Diskussion kam richtig ins Laufen.
Thematisch beschäftigte sich die Sitzung mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und möglichen Reaktionen des Sicherheitsrats – etwa humanitären Hilfen, Sanktionen und diplomatischen Lösungsansätzen.
Die Zeit verging deutlich schneller, als wir gedacht hatten. Selbst die Abschlussrunde kam schneller als erwartet, weil die Diskussion so lebendig war. Besonders spannend fand ich die Fragen der Schüler:innen nach der Simulation. Sie wollten wissen, wie nah die Simulation an der tatsächlichen Arbeit des UN-Sicherheitsrats ist, welche Stärken und Schwächen das Gremium hat und wie zeitgemäß die Rolle der UN heute noch ist. Man hat gemerkt, dass sie sich wirklich ernsthaft mit den Themen auseinandergesetzt haben.
Insgesamt war es eine total spannende Erfahrung und ich freue mich jetzt schon auf das nächste Mal. Ich kann wirklich jeder Schule und jedem von euch empfehlen, die Simulation auszuprobieren. Sie vermittelt nicht nur politisches Verständnis, sondern stärkt auch Rhetorik, Perspektivwechsel und diplomatisches Denken auf eine sehr praxisnahe Weise.
Nergis Zarifi ist Mitglied der DGVN und in verschiedenen Kreisen aktiv. Insbesondere ist sie aktives Mitglied der Jungen DGVN Nord und engagiert sich bei der Organisation von Veranstaltungen, in der Redaktion des UNified Youth Blog und bei UN im Klassenzimmer.