Zwischen Jugendbeteiligung und Europarecht: Ein Interview mit Jana Mortzeck

In der Rubrik „Die UN und wir“ stellen wir Euch auf dem Blog verschiedene Menschen vor, die sich bei der DGVN auf vielfältige Art und Weise engagieren. Für diesen Newsletter konnten wir Jana Mortzeck gewinnen. Jana ist 25 Jahre alt, hat letztes Jahr ihr erstes juristisches Staatsexamen abgelegt und engagiert sich schon seit langem für die Vereinten Nationen. Insbesondere ist sie – gemeinsam mit Tim Pöppel – Co-Vorsitzende unserer Jungen DGVN Nord.
Mit ihr konnten wir über die Wichtigkeit von Jugendbeteiligung bei der DGVN und ihr Interesse an Europa- und Völkerrecht sprechen.

Hi Jana! Danke, dass wir uns heute in der Rubrik „Die UN und wir“ über dich und deinen Werdegang unterhalten können! Zum Anfang würde ich bitten, dich kurz vorzustellen und dich fragen, wie du eigentlich zur DGVN gekommen bist.

Danke für die Einladung! Ich habe Jura in Osnabrück und Hamburg studiert. Geboren bin ich in Osnabrück, die Uni war nur fünf Minuten von meinem Zuhause entfernt; entsprechend hatte ich weniger Möglichkeiten, meinen Horizont zu erweitern. Irgendwann hatte ich aber den Wunsch, noch einmal etwas Neues zu sehen und neue Leute kennenzulernen, mich aus meiner „Bubble“ zu bewegen. Hamburg war dafür ideal, auch weil man sich dort im Jurastudium stärker mit Europa- und Völkerrecht beschäftigen kann. In Osnabrück liegt der Fokus eher auf Wirtschaftsrecht.

2024 habe ich dann mein erstes Staatsexamen geschrieben und studiere aktuell für meinen juristischen Master, den LL.M., in Leiden. Zur DGVN bin ich eher zufällig über persönliche Kontakte gekommen: Eine Studienfreundin, Emily Stricker, hat die Infos zu einem Kennenlerntreffen weitergeleitet. Das war ziemlich prägend: Schon am ersten Abend wurden Aufgaben verteilt und Zuständigkeiten gesammelt. In diesem Treffen wurde die Junge DGVN Nord, damals noch eine reine Hochschulgruppe, reaktiviert, vor allem von Hanna Schönlau und Leah Mathiesen. Dieses direkte Einbinden hat mich sofort angesprochen.

Das klingt echt gut organisiert! Da würde ich als Jurist gerne kurz abbiegen und dich fragen, warum du dich für den LL.M. in Leiden entschieden hast?

Inhaltlich wollte ich mich klar auf Europarecht konzentrieren – und Leiden ist dafür wirklich stark. Gleichzeitig bietet die Stadt eine hohe Lebensqualität: die Nähe zum Meer, die entspannte Atmosphäre und die gute Anbindung an größere Städte machen viel aus.

Was mir besonders gefällt, ist die Art zu lernen. Die Hierarchien sind flacher, die Lehre ist interaktiver, und man wird stärker in die Diskussionen eingebunden. Das motiviert, sich aktiv einzubringen. Im Vergleich zum Studium in Deutschland kann ich bereits nach einem halben Jahr sagen, dass ich ein tieferes Verständnis für Europarecht gewonnen habe und die aktive Einbindung mein juristisches Handwerk geschärft hat. Rückblickend war es definitiv die richtige Entscheidung einen LLM zu machen, bevor es für mich ins Referendariat geht.

Was für eine schöne Perspektive! Was reizt dich denn besonders am Europarecht?

Europarecht fühlt sich für mich einfach näher an. Man hat das Gefühl, Entwicklungen nicht nur aus der Distanz zu beobachten, sondern ihren Einfluss im eigenen Alltag zu erleben. Europarecht zeigt, wie politische Ideen relative schnell in konkrete Maßnahmen übersetzt werden können,. Ein einfaches Beispiel sind Plastikstrohhalme: Das ist eine konkrete Regulierung, deren Wirkung man im Alltag unmittelbar bemerkt.

Das Zusammenspiel von Politik, Gesellschaft und Recht macht Europarecht für mich besonders interessant. Es geht nicht nur um die großen wirtschaftlichen und politischen Fragen, sondern auch die kleinen Dinge des Alltags. 

Diese Nähe macht es greifbarer als viele andere Rechtsgebiete wie das klassische Völkerrecht, das oft weiter entfernt und weniger unmittelbar erfahrbar wirkt. Gerade für junge Menschen, die sich fragen, welchen Unterschied ihr Engagement eigentlich machen kann, kann das motivierend sein.

Was für eine super Überleitung! Wo genau engagierst du dich denn bei der DGVN und was sind deine Aufgaben?

Ich bin Co-Koordinatorin der Jungen DGVN Nord und kümmere mich gemeinsam mit Tim darum, die verschiedenen Gruppen zu strukturieren und ihre Arbeit besser aufeinander abzustimmen. Es geht viel darum, Ideen zusammenzubringen und Engagement zu ermöglichen.

Gleichzeitig bin ich auch im Vorstand des Landesverbands aktiv. Dort habe ich zum Beispiel einen Besuch zum „UNESCO Institut für Lebenslanges Lernen“ inklusive Vortrag zum Thema und anschließendem Austausch bei Kaffee organisiert. Gerade im Landesverband merkt man, dass viel Energie von jungen Menschen kommt, aber auch, dass noch viel Potenzial vorhanden ist.

Das Verhältnis ist dabei klar: Der Landesverband ist das Dach, die Junge DGVN Nord sozusagen die Jugendabteilung für alle Menschen bis 35. Gleichzeitig können sich junge Mitglieder natürlich auch direkt im Landesverband einbringen. Diese Verbindung ist wichtig, um Jugendbeteiligung nicht nur als eigenes Format zu denken, sondern als integralen Bestandteil der gesamten Arbeit.

Wow, das klingt spannend! Du hast schon über die Veranstaltung bei UNESCO gesprochen. Gehört das zu deinen eigenen inhaltlichen Schwerpunkten?

Eigentlich war diese Veranstaltung eher eine Art Ausreißer. Im Landesverband beschäftige ich mich viel mit Mitgliederbetreuung: Wer ist schon dabei, wer könnte noch dazukommen – und wie können wir uns besser vernetzen? Ein Stammtisch wäre zum Beispiel eine schöne Möglichkeit, um sich informeller kennenzulernen. Außerdem entwickle ich gerade ein neues Medienkonzept für bessere Werbung.

Bei der Jungen DGVN Nord geht es gerade stark um Weiterentwicklung. Es hat sich schon viel verändert, und es gibt viele neue Ideen. Ein wichtiger Punkt ist für mich, noch mehr Menschen zu inspirieren und ihnen zu zeigen, dass sie selbst etwas anstoßen können.

Das ist auch wirklich wichtig! Engagierst du dich deshalb bei der DGVN?

Mir ist es wichtig zu zeigen, dass Völkerrecht nicht abstrakt ist, sondern uns alle betrifft. Viele denken, das sei etwas sehr Fernes, dabei gibt es durchaus Möglichkeiten, sich einzubringen und Dinge zu beeinflussen. Man kann zum Beispiel während Exkursionen wie zu internationalen Gerichten ein viel konkreteres Verständnis vom Völkerrecht erhalten.

Gleichzeitig geht es mir darum, Räume zu schaffen, in denen man sich informieren und austauschen kann. Formate wie „UN im Klassenzimmer“ sind dafür ein gutes Beispiel, weil sie Schülerinnen und Schüler niedrigschwellig einbeziehen.

Gerade Jugendbeteiligung spielt dabei eine zentrale Rolle. Junge Menschen bringen neue Perspektiven ein und sind oft besonders motiviert, sich mit globalen Herausforderungen auseinanderzusetzen.

Und ganz ehrlich: Es macht einfach Spaß. Die Leute sind offen, man zieht an einem Strang, und besonders in der Jungen DGVN hat man die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen. Diese Eigenmotivation ist wirklich ansteckend.

Wo kann man sich sonst noch im Bereich internationale Beziehungen engagieren?

Innerhalb der DGVN gibt es schon viele Möglichkeiten, gerade für junge Menschen. Neben der Jungen DGVN Nord kann man sich auch bundesweit im Arbeitskreis Junge DGVN engagieren.

Ein großer Vorteil ist, dass die DGVN nicht politisch ist. Man kann sich also mit internationalen Themen beschäftigen, ohne sich direkt parteipolitisch positionieren zu müssen. Das senkt die Einstiegshürde enorm.

Danke dir! Wir kommen schon zum Ende und zum Abschluss möchte ich dich wie alle unsere Gäst:innen fragen: Was würdest du anderen mitgeben, die überlegen, sich zu engagieren?

Wenn dir ein Thema wirklich wichtig ist, lohnt es sich, den ersten Schritt zu wagen – ohne sich von der vermeintlichen Dauer oder Komplexität abschrecken zu lassen. Vieles erscheint von außen schwieriger, als es tatsächlich ist, und oft gelingt in der Praxis mehr, als man zunächst erwartet hat.

Besonders erfüllend ist das Gefühl, etwas erreicht zu haben – umso mehr, wenn es ein gemeinsamer Erfolg ist, den man zusammen feiern kann. Am besten beginnt man niedrigschwellig und lässt sich dann davon überraschen, wohin einen der Weg führt.